Römische Reflektionen
Ein besonderer Vorzug Cassinos war die Lage innerhalb Italiens. Mit einer anderthalb bis zweistündigen Zugreise ließ sich die Strecke nach Rom sowie nach Neapel bzw. Pompeji bewältigen. Rom war auch unter spirituellen Gesichtspunkten als Haupt des Katholizismus und der Christenheit im weiteren Sinne natürlich ein Anziehungspunkt, von dessen Nähe wir oft Gebrauch machten. In diesem Blogeintrag möchte ich einige der Exkurse, die über unseren Aufenthalt in Montecassino im strengeren Sinne hinausgingen, darstellen.
Das erste Mal besuchten wir Rom zwischen dem sechsten und 7. September zum Anlass der Heiligsprechung von Carlo Acutis. Ein weiteres Mal besuchten wir Rom am 27. September und im Oktober und November insgesamt drei weitere Male.
Diese Möglichkeit repräsentierte für mich immer den Vollzug einer gesamtheitlichen Erfahrung. Die geistesgeschichtlich zentrale, aber dennoch in der monatischen Praxis mittlerweile sehr kleine und etwas abgelegene Gemeinschaft in Montecassino und das kosmopolitische, das universelle Christentum in Rom. Die Verbindung ging auch umso weiter, da viele der Mönche aus Montecassino in Rom sporadisch lebten, Professuren hielten und ich einmal gar die Möglichkeit hatte mit diesen die vatikanischen Gärten zu besichtigen. Hierin, wie auch in den Massenereignissen der Heiligsprechung von Carlo Acutis und dem Jubiläum marianischer Spiritualität vertiefte sich die ergänzende Rolle, die für mich die Exkurse nach Rom hielten.
Wenn ich mich an die Klosterzeit zurückerinnern werde, werde ich so wohl auch an Rom denken, auch abseits der rein religiösen Aspekte, wie der kulturellen Immersion. Ich hatte so auch schon in Einsiedeln immer das Gefühl, in eine Jahrhunderte alte, antike Tradition einzutreten und die Möglichkeit zu erlangen, auch durch den historischen Bau von Montecassino an einem zutiefst geschichtlichen Ort zu leben. Dies war nicht nur ein besonderes Lebensgefühl, aber für mich auch eine Ergänzung der monastischen Erfahrung als ebenso antike Tradition. Die Klosterzeit bedeutete mir somit auch, auf diese vielen verschiedenen Weisen aus meinem bisherigen Alltagsleben heraus zu treten. Gerade hier spielte Rom eine Rolle: insbesondere die zahlreichen Exkurse wie ein Besuch auf dem Forum hatten eine besondere Strahlkraft, auch in Anbetracht der zahlreichen Verbindungen zwischen der römischen und benediktinischen Geschichte.
Und somit möchte ich resümieren mit einer allgemeinen Erkenntnis: Für mich war die Klosterzeit nicht nur ein religiöses Projekt, aber auch eine Immersion in einer fremden Lebensweise, eine kulturelle Grenzerfahrung und ein Weg auf viele verschiedene Weisen Neues zu erleben. Dies ist aber nicht als der religiösen Aspekte oder als der Klosterzeit allgemein Konträres zu deuten, denn vielmehr als wirksame Synthese: Die spürbare Tradition, die Immersion, die geistesgeschichtliche Zentralität und Strahlkraft sowohl Montecassinos als auch Roms stellten den Monastizismus nicht in Frage, sondern vielmehr in das ihm rechte Verhältnis. Das Gefühl von Verbundenheit mit einer Tradition und mit einer Historie führten auch unter im benediktinischen Verständnis zu einer unvergesslichen Erfahrung.
Ein paar Eindrücke:









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